Design. Interior Design. Möbeldesign

Buchholzberlin: Manufaktur für edle Holzmöbel

Katja Buchholz‘ Eichentisch für Buchholzberlin ist Esstisch und Arbeitsfläche in einem. Foto: Kathrin Harms
Der Hocker von Buchholzberlin ist aus geölter Eiche. Foto: Kathrin Harms
Aus edlen Hölzern sind auch die Schneidebretter und Messer von Buchholzberlin. Foto: Kathrin Harms
Die Taschen von Buchholzberlin sind aus Ziegenleder, vegetabil gegerbt mit Mimosenblüten. Foto: Kathrin Harms
Foto: Kathrin Harms

Die Berliner Architektin und Designerin Katja Buchholz liebt die Natur. Aufgewachsen ist sie am Grunewald. Dort sammelte sie mit ihrer Oma einst Pilze und badete im Schlachtensee. Seit 2005 betreibt sie in der Hauptstadt mit Buchholzberlin eine Manufaktur für Holzmöbel.

Die Entwürfe für ihre Einzelstücke entstehen in ihrer elegant eingerichteten Wohnung in Berlin-Mitte. Ein inspirierender Ort. Die Dachterrasse glänzt mit Panoramablick: Fernsehturm und Plattenbauten, Museumsinsel und die goldene Kuppel der Synagoge, in der Ferne der Funkturm. Die Möbel hat Buchholz fast alle selbst entworfen. Ein langer Esstisch aus massiver Eiche mit Naturkanten, wunderschöner Maserung und Astlöchern hebt sich wohltuend vom weißen Interieur ab. An der Wand hängt ein märchenhaftes Waldbild, ein weiteres Kunstwerk von Katja Buchholz.

Auch ihr Berufsweg klingt märchenhaft, so trefflich fügten sich die Dinge. Am Tag nach dem Studium fing sie im Berliner Büro des Architekten David Chipperfield an. „Er hatte gerade den Wettbewerb für den Wiederaufbau des Neuen Museums auf der Museumsinsel gewonnen und jemanden gesucht, der auch Erfahrung in Restaurierung hat“, erzählt Buchholz. Die hatte sie, wurde eingestellt und blieb sieben Jahre. „Das war großartig. Irgendwann hatte ich aber Sehnsucht, wieder was mit den Händen zu machen.“

Da traf es sich gut, dass in Berlin häufig Bauholz auf den Straßen rumlag. „Daraus haben mein Mann und ich den ersten Tisch für unsere Wohnung gebaut.“ Der hat Freunden so gut gefallen, dass sie auch einen haben wollten. Anfangs entstanden die Tische parallel zu ihrer Arbeit im Architekturbüro. 2005 wagte sie den Sprung in die Selbständigkeit, als ihr Freunde einen leerstehenden Raum im Erdgeschoss eines Hotels als Ausstellungsort überließen. Einen der ersten Tische aus Eichenholz kaufte Herbert Grönemeyer. Weitere namhafte Kunden aus der Kunst- und Kulturszene folgten.

„So ein Einzelstück stellt man sich bewusst in die Wohnung, das ist wie ein Familienmitglied“, sagt Buchholz. Ihre Kunden lässt sie am Entstehungsprozess teilnehmen. Holz mochte sie schon immer: „Das hat so viele Facetten, es kann warm und weich sein, es riecht gut und hat schöne Farben. Und es hat etwas Beruhigendes.“ Das Holz selbst soll bei ihren Möbeln im Vordergrund stehen, es soll nicht nach Design aussehen, die Form so schlicht wie möglich sein, zeitlos und nicht zu rustikal. „Wenn es dazu elegant und ästhetisch ist, dann ist es perfekt.“ Sie blättert in der digitalen Bildergalerie ihres Smartphones und zeigt einige ihrer Tische. Das Prachtstück, ein sieben Meter langer Eichentisch, musste in zwei Teilen hergestellt werden, für den Transport.

„Das Holz steht bei meinen Möbeln im Vordergrund, es soll nicht nach Design aussehen. Wenn es dazu elegant und ästhetisch ist, dann ist es perfekt.“

Eiche sei wegen der hohen Nachfrage immer schwerer zu bekommen, so Buchholz. „Eigentlich muss der Förster im Mischwald ab und zu alle Bäume umhauen, viele bleiben heute aber liegen, weil alle nur noch Eiche wollen.“ Deshalb will sie ihren Kunden jetzt Esche schmackhaft machen. „Aber auch die Robinie ist ein interessantes Hartholz.“

Holz für ihre Tische, Betten und Hocker sucht Katja Buchholz persönlich im Sauener Forst aus, einem vorbildlichen Mischwald in Brandenburg, in dem heute, dank der Unterstützung der August-Bier-Stiftung, rund 460 Baum- und Straucharten wachsen. Anschließend bringt die Designerin das Material in ihr überdachtes Holzlager im Freien. Bevor sie das Holz verarbeiten kann, muss es danach noch einmal ein paar Monate lang zum Trocknen im Innenraum liegen.

Für weniger Geduldige wählt Buchholz Stücke beim Holzhändler ihres Vertrauens aus. Manche Kunden bringen auch ihr eigenes Holz mit – wie die Besitzer des Berliner Verlages, der die Berliner Zeitung herausgibt. „Sie mussten die alte Kaimauer ihres Grundstück am Wannsee abreißen und haben mich gefragt, ob ich daraus einen Tisch für sie bauen kann.“ Ein Puzzlespiel und eine Aufgabe nach ihrem Geschmack.

Zusammengebaut werden Katja Buchholz‘ Möbel in einer Sozialwerkstatt in Brandenburg. „Durch die“, sagt sie, „kommt Liebe ins Holz rein.“ Anschließend imprägniert sie die fertigen Tische mit Hartwachsöl. Das erhält den aktuellen Zustand des Holzes und verhindert das Vergilben. An einem unbehandelten Hocker demonstriert sie, wie das funktioniert: Mit kreisenden Bewegungen reibt sie Biodistelöl mit einem Tuch langsam in das Holz. Das können die Kunden wiederholen. Ihr Tipp: „Wenn das Holz aussieht wie trockene Haut, kann man eine neue Schicht Öl draufgeben.“

Die handgefertigten Möbel aus edlen Hölzern haben ihren Preis. Ein Tisch kostet 2290 Euro aufwärts, je nach Größe und verwendetem Holz. Kleinere Stücke wie die Schneidebretter gibt’s ab 19,90 Euro. Trotz der stolzen Preise hatte Buchholz auch während der Coronakrise alle Hände voll zu tun. Mit einem befreundeten Designer arbeitet sie an Interiorprojekten. Tischler, Polsterer und Metallbauer unterstützen sie. Gerade bauen sie die komplette Einrichtung für eine Wohnung in London – in Berlin.
Dazu hat sie Ledersofas entworfen, die mit Häuten von Biorindern bezogen werden, gegerbt werden sie in Bayern mit Mimosenblüten. Sie überlegt außerdem, wie sie noch mehr Leute zu einem umweltbewussteren und ökologischeren Leben animieren kann. Und wie sie selbst noch mehr Vorbild sein kann. „Denn das ist des Erfüllendste.“

Erschienen in: Das Magazin 9/21 und natur 7/21. Fotos: Kathrin Harms

Wichtigster Möbel-Trend: Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit war im vergangenen Jahr der wichtigste Trend auf der internationalen Möbelmesse in Köln. Dadurch entstehen neue Herausforderungen, auch für große Anbieter. „Wenn Sie ein nachhaltiges Produkt machen möchten, dann muss es heute langlebig sein, modular, auswechselbar, die einzelnen Bestandteile müssen trennbar sein“, sagt Thorsten Ober, Leiter des Deutschen Instituts für Möbeltechnik Rosenheim. „Außerdem muss man es reparieren und recyceln können.“

Sind Massivholzmöbel die Lösung? „Das wäre toll, aber sehr kostenintensiv“, so Ober. Und: „Wir hätten gar nicht ausreichend Holz dafür. Denn es wäre nicht besonders nachhaltig, alle Wälder für Möbel einzuschlagen.“ Für den breiten Markt brauche es auch Produkte aus Rezyklaten, also recycelten Materialien, wie Span- oder Sandwichplatten, für deren Herstellung weniger Rohholz benötigt wird.

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